So ist des Lebens Lauf
Berlin, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1978. Das sind die Abenteuer (des Raumschiffs Enterprise) eines Mädchens, das sich eines Tages als Frau Giese aufmachen würde, viel Farbe in das
Leben von kleinen, kulleräugigen Kindern zu bringen. Wie es dazu kam, davon handelt dieser Text, den ich gern schrieb, nachdem mich besagte Dame gebeten hat, auf dieser Homepage ein paar Worte zu
verlieren. Das hat sie jetzt davon.
Zunächst noch mal zurück ins Jahr 1978: Es ist nicht überliefert, ob am 4. April im Radio gerade der damalige Nummer-1-Hit Das Lied der Schlümpfe von Vader Abraham dudelte, als
Klein-Caro aus dem Bauch ihrer Mama schlumpfte, aber es hätte zweifellos gepasst. Nicht etwa, weil die gebürtige Berlinerin dauernd blau ist, sondern weil auch in ihrem Leben phantasievolle
Figuren eine große Rolle spielen. Die von ihr auf Papier gezauberten bezaubernden Cartoon-Tiere sind jedenfalls ohne Übertreibung so süß, dass man aufpassen muss, nicht Karies zu kriegen. Das
liebenswerte Viehzeug lebt vor allen in den Geschichten Der große Durst und Der große Plumps. Ne, da geht’s nicht um ein Oktoberfest-Bierzelt und guten Stuhlgang, wie
Männer jetzt wahrscheinlich mutmaßen, das sind Kinderbücher. Mann!
1978 wurde übrigens nicht nur Klein-Caro geboren, sondern auch Garfield. Dies nur als klugscheißerische Randbemerkung, um zu verdeutlichen, dass es sich um einen echt guten Jahrgang handelt. Frau
Giese legt übrigens wert darauf, als Geschenk für ihre Mutter zu gelten, weil diese am gleichen Tag Geburtstag feiert. Ich denke jetzt mal an die Schmerzen, die eine Geburt so mit sich bringt,
und lasse das mit dem Geburtstagsgeschenk einfach mal so stehen …
Damit ich keine komplette Themaverfehlung auf den Monitor zaubere, sei von weiteren wichtigen Dinge im Leben von Frau Griese berichtet. Ein Studium an der Design-Akademie Berlin zum Beispiel,
welches Nicht-mehr-ganz-so-klein-Caro als Diplom-Kommunikationsdesignerin nach vier Jahren 1999 abschloss. Diverse Praktika, in den bekannten Trickfilmstudios Hahn-Film oder Cartoon-Film sind
ebenfalls erwähnenswert. Das zuerst Genannte ist unter anderem für die Werner- und einen der Asterix-Streifen bekannt, das Zweite für Der kleine Eisbär.
Ein eher uninteressantes Werk, wie der Verfasser dieser Zeilen findet, weil weder Frauenbrüste noch Bier drin vorkommen, aber an zwei Stellen ist er fantastisch! Wahrscheinlich reiner Zufall,
dass es die beiden Szenen sind, für die Frau Giese die Hintergründe kreierte. Und dafür nicht mal im Abspann aufgeführt wurde. Skandal!
Im November 2000 beschloss Frau Giese auszuwandern, um bei einem heute in Fürth ansässigen Verlag für Computerspiel-Magazine als Layouterin tätig zu werden. Fürth ist übrigens ein kleiner
Stadtteil von Nürnberg, falls das jemand nicht weiß. Frau Giese schaffte dort etwas, was den Kickern von Greuther Fürth nie gelingen wird, nämlich der Aufstieg in die 1. Liga: Erst wurde sie 2005
Chef-Layouterin der weltbesten Zeitschrift PC Action und 2007 nach einem Firmenwechsel Grafikerin für das Luxus-Magazin RICH. Ihre Zeichen- und Mal-Finger hielt sie ab und an
mit kleinen Nebentätigkeiten in Form von Illustrationen geschmeidig. Hoffentlich liest das Finanzamt nicht mit.
Was immer die Zukunft bringt, ich wünsche Frau Giese jedenfalls, dass man sie eines Tages Frau Janosch nennt. Nicht, weil sie den alten Sack mit dem alten Sack heiraten soll (Frau Giese steht
eher auf junges, statt auf welkes Fleisch), vielmehr möge ihr mindestens der gleiche Erfolg beschert sein. Dieser Wunsch kommt von ganzem Herzen, immerhin hat mir die junge Dame mal das Leben
gerettet. Aufmerksamen Lesern mag indes aufgefallen sein, dass ich Frau Giese in einem Satz Frau Griese nannte. Dies war kein Schreibfehler, ich wollte sie nur ein bisschen ärgern, und auf Giese
mit r reagiert sie ziemlich allergisch, höhö. Ich schrieb ja eingangs: Das hat sie jetzt davon.
Text: Harald Fränkel
